Heimatmuseum   "Altes "Rathaus"

 Museums-Rundgang  >  Lehrerwohnung 

Entlang der Vitrine mit den Stopfeiern und Bildern des heimischen Malers Karl Haist, betreten wir die Räume der ehemaligen Lehrerwohnung, der später Finanzverwaltung, Steueramt und Gemeindekasse folgten. Das Inventar stifteten größtenteils Lossburger Bürger. Es ist bis 200 Jahre alt. 

Die Häuser der Bauern und Tagelöhner in jener Zeit, boten der Familie Sicherheit und Wärme. Hier war die Heimstätte unserer Volkskultur, die ihre sichtbare Ausprägung auch in den Arbeitsgeräten, der Wohnungsgestaltung, der Kleidung und Speisen findet.

Bis zu den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts haben die Hausfrauen viele ausgestellten Gerätschaften der Waschküche noch benutzt, denn nicht alle Familien konnten sich in diesen Jahren bereits eine Waschmaschine leisten. Der Waschtag war immer eine harte körperliche Arbeit. Auch wenn sie in der Erinnerung älterer Frauen ihren Schrecken verloren hat, weisen sie immer auf die elende Schinderei hin und „das Kreiz hot arg glitte!" Bei den Geräten lässt sich dies nachvollziehen. Wir verneigen uns mit größtem Respekt vor der kräftezehrenden Arbeit unserer Eltern und Großeltern.

Die Einrichtung der großen Küche mit den alten Gerätschaften, legt Zeugnis über die vergangenen Jahre ab. Sie gibt auch Aufschlüsse über die Lebensbedingungen der Lossburger vor etwa 100 Jahren. In der wald- und landwirtschaftlich geprägten Gemeinde war in der Regel Schmalhans Küchenmeister, man war, außer einigen begüterten Bauern, arm. Doch das Heim war meistens gemütlich eingerichtet, so wie in unserer Ecke, hier konnte man sich wohl fühlen.

Es  scheint angebracht, einige der zahlreichen Utensilien in sich aufzunehmen. Neben den kleinen fällt gleich der große Gussofen auf. Er ist aus verschiedenen Gusseisen-Teilen zusammengesetzt. Ursprünglich stand er mit der Rückseite direkt an einer Wand und wurde von einem Nebenraum befeuert. Der Ofen wurde 1785 gebaut und wurde bis 1965 in einem Bauernhaus in Wittendorf benutzt, danach bis 1983 in Lombach-Ursental als Übergangs- und Zusatzheizung.

In vielen Wohnungen reichte das Geld nicht aus Tapeten anzuschaffen. Man war erfinderisch, so tauchte der Maler einen zusammengeknüllten Lappen in den Farbtopf und rollte ihn dann an der gekalkten Wand abwärts. In der Küche nahm er kräftige Farben, sie verbleichten nicht so schnell. Dagegen zierten feine Pastellfarben die Wände in der Wohnstube, begrenzt mit Blumen, die in mehreren Arbeitsgängen mit Schablonen aufgetragen wurden. 

Ob die ehemalige Lehrerwohnung tatsächlich so eingerichtet war, ist unbekannt. Während früher die „Gute Stube" nur zu besonderen Anlässen betreten wurde, dient heute das Wohnzimmer den ganzen Tag dem Aufenthalt. Hier spielt sich das Leben ab, zumindest abends.  

Das Klavier oder ein Grammophon war um die Jahrhundertwende in vielen Wohnungen zu finden, so wie in unserer Zeit Fernseher, Video und PC. Dieses Wohnzimmer hatte bereits elektrisches Licht, in der Küche leuchtete dagegen die Petroleum-Lampe, wenn die Tage kürzer wurden.

Hinzuzufügen ist noch, dass ein Großteil des Inventars von Einwohnern der Gesamtgemeinde gestiftet oder als Leihgabe zur Verfügung gestellt wurde. 

Das dunkelste und kälteste Zimmer war die Schlafkammer. Die Großeltern hatten noch Strohsäcke in den Betten. In bestimmten Abständen wurden die großen Säcke mit frischem Stroh gefüllt, dann waren die Betten so hoch, dass man als Kind fast einen Schemel brauchte,  um hinein zu steigen. Täglich aufgelockert, lag man darauf weich und warm. Über dem Bett der Großeltern hing das Bild des guten Hirten. Mein Bruder hat mir einmal erzählt, dass er aus Angst vor einem Gewitter ins Bett unserer Oma kroch. Da träumte er, dass der Jesus auf ihn herunter fällt. Er blieb aber im Bett der Oma, hier war er vor dem Donnern sicher.

Bleiben Sie noch in der Wohnung und erinnern Sie sich an „früher".

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