Heimatmuseum "Altes "Rathaus"
Museums-Rundgang > Altes Handwerk
Folgende
drei Räume zeigen Handwerksberufe, die es in der Form nicht mehr gibt, bzw. so
einen Wandel erfahren haben, dass sie sich zur industriellen Fertigung
entwickelten. Bei den Waldberufen ist die Arbeit schwer geblieben, doch moderne
Techniken erleichtern den täglichen Ablauf.
Das Modell der Waldwirtschaft, von Ilse Römpp, zeigt die Berufe der Waldbauern vor 150 Jahren. Davon sind einige vollkommen verschwunden, so der Stemmler, der vor dem Fällen die Bäume entastet hat. Nicht anders erging es dem Harzer, der zu den ärmsten Waldbewohnern zählte. Mit dem Dextel schneidet er fischgrätenartige Wunden in Fichten und fängt das auslaufende Harz in Behältern auf. Harz war Grundstoff für die chemische Industrie. Auch der Beruf des Köhlers existiert nicht mehr, für Touristen werden hie und da noch Meiler errichtet.
Jahrhundertelang zählten die Flößer zu der Berufsgruppe, die zum ersten Mal bares Geld nach Hause brachte. Alle, die im Umfeld dieses Berufszweiges tätig waren, ging es verhältnismäßig gut, sie kamen zu einem gewissen Reichtum. Das Waldmodell zeigt, wie die geschälten Stämme zum Stapelplatz gebracht und anschließend in der Steinriese talabwärts zum Bindeplatz geschickt wurden. Für die Kinder hat Ilse Römpp die Riese modelliert und diese machen ausreichend Gebrauch davon. Wenn die Stämme spielerisch hinabsausen, ist zu ahnen, welche Geschwindigkeiten sie in Wirklichkeit erreichen - über 100 km/h - eine gefährliche Arbeit. Unten im Lohmühlenbach binden Holzknechte die „Gstehre" zusammen, bzw. hintereinander zu Flößen. Den weiteren Transport übernehmen Flößer. Sie reiten mit den Flößen auf einer künstlichen Flutwelle, die durch Schwallungen und Floßweiher erzeugt wird, flussabwärts, nachdem die Flöße immer größer werden, bis nach Holland.
Bis ins 18. Jh. hat man nur mit der Axt den Baum umgeschlagen. Im Schwarzwald fällte man hauptsächlich mit der Schrotaxt, seltener mit der schweren Fällaxt – der Baum wurde „umgeschrotet". Die Mehrzweckaxt mit ausgeprägtem Hammerteil im Nacken setzte man zum Eintreiben der Fällkeile ein. Später kam die Zweimann-Säge zum Einsatz. Holzhauer aus Sachsen sollen sie in den Schwarzwald mitgebracht haben.
Ein Nebenprodukt des Waldbauern ist die Gerblohe für Gerbereien. Zur Gewinnung der Rinde, besonders von Eichen oder bei uns von Fichten, wird das Loheisen eingesetzt. Mit dem Reißer an einem Ende des Eisens reißt man die Rinde in Meterstücken rund um den Stamm auf und trennt sie mit dem Löseblatt vom Stamm ab. Im Waldmodell ist es nachvollziehbar. Gerben heißt „gar" machen. Dazu wird Gerblohe benötigt. Die Rinde wird zerkleinert und in der Lohgrube mit Wasser zur Lohbrühe vermengt. Darin wird für lange Zeit die Tierhaut zum Gerben getaucht, danach können Fellrückstände beseitigt und das Leder weiter verarbeitet werden. Verliert die breiige Gerbbrühe ihre Wirkung und bildet sich aus den Rindenresten ein Bodensatz, wird dieser abgeschöpft, in Holzformen gepackt, ausgepresst und an der Luft getrocknet. So entsteht der Lohkäs, der als Heizmaterial verwendet wird. Der Käse hat seine Bezeichnung nicht nur von seiner Form, sondern auch vom „starken" Geruch der Lohe.
Wie
in der Waldwirtschaft hat die Landwirtschaft einen ähnlichen Verlauf genommen.
Die zunehmende Industrialisierung hat auch vor dem Bauernstand nicht halt
gemacht. Der vielgerühmte Segen moderner Technik bedeutete einerseits eine
wesentliche Arbeitserleichterung, aber auch eine einseitige Spezialisierung der
landwirtschaftlichen Betriebe, auf nur Viehzucht oder Feldfrucht, bedingt durch
die kostengünstigere Produktion in Großbetrieben. Innerhalb der letzten
Jahrzehnte entwickelten sich die stolzen und reichen Bauern zu „Bettlern"
am Staat um Investitionsgelder. Die
ausgestellten Gerätschaften sind teils heute noch in kleinen Betrieben im
Einsatz. Es lohnt etwas genauer hinzuschauen, denn es zeigt sich, dass gerade
bei diesen Exponaten die Erinnerung an eine gar nicht so weit zurückliegende
Vergangenheit noch frisch ist.
Ein weiteres Thema ist die Beweidung der eigenen und Gemeindewiesen, die nie ausreichten das Vieh satt zu bekommen. Die Wälder wurden zur Beweidung mit herangezogen. Der Wittendorfer Schultheiß Friedrich Beilharz erzählt in seinen Erinnerungen von seinen Abenteuern, die er als Hütebub um 1860 erlebte. Schulpflichtige Söhne von Bauern und Tagelöhner hüteten vor und nach der Schule ihre Tiere. Früh um fünf begann ihr anstrengender Arbeitstag, egal ob Regen oder Wind, sie waren verantwortlich, dass sich kein Tier verlief. Der mit einem „Regenschutz" bekleidete Hirtebub ist heute noch zu bedauern.
Die
raren Waldweiden waren ewiger Streitpunkt der Rodter und Lossburger Bürger, so
findet auch der über ein Jahrhundert dauernde „Brüder-Streit" seinen
Ursprung um die Weiderechte an der Laubertsreute. Es kam Anfang 1600 zur
förmlichen Klage der Rodter unter ihrem Schultheiß Hans Stoll. Es reichte zu
keiner Entscheidung und der Streit fand kein Ende. 1699 riefen die Lossburger
unter dem energischen Schultheiß Jakob Kübler, Bärenwirt und Viehhändler,
das Stadtgericht in Balingen an. Der Prozess zog sich hin und wird immer teurer.
1719 war immer noch keine Entscheidung, erst am 8. Mai 1721 ergeht das Urteil
des Balinger Gerichts: Die Güter der Laubertsreute gehören „frei, ledig und
unbeschwert" zu Rodt und dass es den Lossburgern nicht wieder „gezieme,
sich dort irgendeine Weidgerechtigkeit anzumaßen".
In
jedem Dorf, so auch in Lossburg, gab es das Böttcher- und Küfer-Handwerk. In
nord-, mittel- und ostdeutschen Gegenden ist der Name Böttcher
allgemeingültig, während bei uns und in Weingebieten der Holz- und Weinküfer
bekannt ist. Der Name „Böttcher" stammt vom Gegenstand, den er fertigt:
Bottich. In Bayern heißen kleine Bottiche Bütten, deshalb ist dort der
Büttner geläufig. Teils auch „Schäffler" – vom Schaff, einem offenen
Holzgefäß. „Küfer" leitet sich ebenfalls von offenen und tiefen
Holzgefäßen ab, den Kufen.
Das Küfer-Handwerk geht ins 8. Jh. zurück und ist aus Sorge um die Aufbewahrung von Lebensmitteln, Speisen und Getränken entstanden. 1947 gab es in Baden und Württemberg 1.614 Betriebe, heute ist der Beruf fast ausgestorben. In unserer Werkstatt aus dem unteren Kinzigtal sind auch Werkzeuge artverwandter Holzberufe zu finden. So von Wagner, Zimmerleuten und Schreiner.
Wir verlassen den Raum und im Übergang zum nächsten hängen an der Wand einige Utensilien des Bäckers. Dieser Beruf stellt harte Anforderungen, bezüglich der Arbeitsbedingungen, an jeden Bäcker, egal ob Lehrling, Geselle oder Meister. Mit nächtlichem Kneten des Brotteiges und bei der Gluthitze des innenbefeuerten Bachofens, musste der Bäcker sein „tägliches Brot" schwer verdienen. Als Ausgleich gehörte der Bäcker vom Mittelalter bis zur Jahrhundertwende zu den wirtschaftlich und sozial bessergestellten Handwerksberufen, denn er hatte durch den Nebenerwerb und Verkauf von Mehl und Korn eine weitere Einkommensquelle. Heute hat sich die Situation wesentlich geändert, denn Großbäckereien verursachen mit ihrer kostengünstigen Produktion, dass der alteingesessene Bäcker sein „täglich Brot" nur noch verdienen kann.
Brot, als Grundnahrungsmittel, seit dem Mittelalter mit dem täglichen Leben verwoben, gilt als Zeichen der Gastfreundschaft. Z. B. ist der alte Brauch: zum Einzug ins neue Heim Brot und Salz zu schenken, bis heute erhalten geblieben.
Heute steht in Lossburg nur noch das „Untere Backhäusle", unterhalb der ehemaligen Jakobskirche. Das 1843 erbaute Armen- und Backhaus wird teils genutzt. Die „Backhausfreude", als Förderverein, backen einmal monatlich für die Bürger Brot und ortsübliche Backwaren.
Die
Gardine zeigt einen typischen heimischen Beruf: den Schindelmacher.
Schindelmachen gehörte früher zu den Winterarbeiten auf den Bauernhöfen im
Schwarzwald. Bauer und Knecht verstanden sich
darauf, geeignetes Holz auszuwählen, in passende Längen zu schneiden und
aufzuspalten. War es nach langer Lagerung trocken, wurde es mit dem Ziehmesser
auf dem Spann- oder Schindelbock zu Schindeln geglättet und zugeschnitten.
Dabei wurden die Schindeln so bearbeitet, das jede Schindel unterschiedliche
Holzstärken aufwies. Dadurch entstand dann bei der versetzten Eindeckung eine
ebene, gut Wasser ableitende Dachfläche. Die mittlere Wand zeigt maschinell und
von Hand gefertigte Schindeln, entdecken sie selbst den Unterschied.
Darüber hat Fa. Zinser ein Gestell für Dachziegel aufgehängt. Mehrere Bürger haben flache und gerundete zur Verfügung gestellt. Unterschiedlicher Brand ist erkennbar. Auch Feierabendziegel sind dabei. Der Name entstand, als der Ziegler den letzten seiner täglichen Menge von 500 Ziegel abends kennzeichnete.
Mittelpunkt
ist die Schuhmacher-Werkstatt. Mehrere Schuhmacher haben mit ihren Geräten für
eine vollständige Ausstellung gesorgt. Dem
Besucher fällt auf, dass die Handwerkzeuge der täglichen Arbeit stark
abgenutzt sind. Der Schuhmacher musste oft bis in die Nacht bei seinen Leisten
bleiben, damit seine Kunden nicht barfuss herumliefen. Schier unzählige
Arbeitsschritte waren notwendig, um einen Schuh herzustellen. Die Schneid- und
Brennwerkzeuge, Schaber und Raspeln, Nageleisen, der Stifteteller, die
Lederpresse usw. belegen das. Unter der schwachen Lampe musste der Meister sein
Können zeigen.
Zu seinem Aufgabenbereich gehörte vom Mittelalter bis in die Neuzeit das Anfertigen von Schuhen. Bedingt durch schnelle Ausbreitung der Schuhindustrie und durch billige Importware trat die Schuhherstellung immer mehr in den Hintergrund, die Arbeit bestand bald überwiegend in der Reparatur gekaufter Schuhe.
Die Schuhmacher waren einst weit verbreitet. Im Oberamt Freudenstadt gab es vor 150 Jahren insgesamt 316 Schuhmacher. In Rodt zählte man bei 339 Einwohnern allein 11 Bürger, die diesen Beruf nachgingen. Hauptsächlich führten sie ihr Handwerk im Nebenberuf und als Flickschuster aus, auch zogen sie über Land, um bei Bauern in einigen Tagen den Schuhbestand aufzufrischen.
Der Werkstatt gegenüber berichten einige Reste vom Beruf des Müllers. In Lossburg gab es zwei Mahl-Mühlen (Obere und Untere Mühle), die der Wassergraben (abgeleitet von der Kinzig) antrieb. Es war zwar kein „rauschender Bach" der die klappernden Mühlen antrieb, doch es reichte die Mühlenräder zum Drehen zu bringen. Die „Obere Mühle", 1560 erstmals genannt, wurde oberschlächtig angetrieben und das Mühlenrad übertrug die Wasserkraft auf zwei Gänge.
Die Fruchtsäcke fallen ins Auge. Sie haben alle ihre eigene Geschichte. Der aus Sackleinen gewobene Kornsack ist bis 1,5 Meter lang. Mit Getreide gefüllt, kann er ein Gewicht von 100 kg erreichen. Da man die Säcke öfters in die Mühle brachte, legten die Besitzer Wert darauf ihre eigenen Säcke wieder zu bekommen. Folglich wurden sie seit Anfang des 18. Jahrhunderts nach einer festgelegten Ordnung gekennzeichnet, bemalt oder bedruckt. 1. Zeile: eine Nummer - 2. Zeile: Vor und Zuname - 3. Zeile: Beruf - 4. Zeile: Extratext - 5. Zeile: Ort - 6. Zeile: Jahreszahl - 7. Zeile: Symbol oder Zeichen.
Im
folgenden Raum dominiert das Schmiede-Handwerk. In Sagen, Märchen,
Erzählungen, Berichten und Sprüchen stoßen wir immer auf die Vorrangstellung
des Schmieds. Von alters her war der Schmied Hersteller von Werkzeugen, somit
Zulieferer der übrigen Handwerker, auch verfügte er über Kenntnisse der
anderen Berufe. Darüber hinaus hatte er die Fähigkeit Waffen zu produzieren.
Er galt in der Gemeinde als wichtiger und vertrauenswürdiger Mann. Schon immer
nahm das Schmiedehandwerk eine zentrale Stellung, ja sogar Sonderstellung unter
den Handwerkern und in der Gemeinde ein.
In Lossburg gab es noch vor 50 Jahren vier Schmiede, heute keine mehr. Die ausgestellten Zangen unterschiedlicher Profile, die Esse und der schwere Hammer stammen aus der „Wössner-Schmiede", Nachfolger Karl-Friedrich Schwenk, der sie stiftete. Der 180 kg schwere Amboss kommt von Eugen Lehmann, Oberbrändi.
Über den Beruf des Schneiders haben wir bereits im Vorfeld einiges geschrieben. Jetzt ist Zeit über das wichtigste Gewebe des Mittelalters bis in die Neuzeit zu sprechen: Leinen. Schauen wir uns um, sieht man alle Geräte, um Leinen herzustellen - von der Ernte über das Spinnen bis zum Weben ist alles vorhanden.
Die
Geschichte des Flachses, andere Namen sind Lein oder Öllein, geht sehr weit
zurück. Flachskulturen in Ägypten lassen sich schon für das 4. Jh. vor
Christus nachweisen. Im Mittelalter hat Flachs eine bedeutende Rolle gespielt,
Leinwand war ein wertvoller Handelsartikel. Flachs, eine der ältesten
Nutzpflanzen der Welt, liefert zwei Rohstoffe: Fasern für Leinen und Samen für
Leinöl.
Die Flachsernte findet zu unterschiedlichen Zeiten statt, je nach Verwendung. Beispielsweise ergeben junge, grüne Pflanzen einen feinen Faden, reife Pflanzen starke Fasern für Seile; in der Phase, bevor der Flachs reift, wenn die Pflanzen gelb sind, sind die Fasern am geeignetsten für die Leinenherstellung.
Bis 400 Stunden waren früher notwendig, um ein Leinentuch herzustellen. Es begann a. mit Pflügen, Eggen, Säen, Walzen, Jäten - b. raufen des Flachses (ausrupfen) - c. der Flachs wird auf Heinzen oder Gänter getrocknet - d. mit dem Riffel werden die Samenkapseln abgeschlagen - e. mit dem Flegel werden die Samenkapseln ausgedroschen - f. in der Bähmühle wird der Spreu vom Samen getrennt - g. die Stengel werden 3-5 Wochen im Freien geröstet (röten = verfaulen), zum Lösen des Bastes - h. anschließend über dem Feuer gedörrt, abwechselnd benetzt und gedörrt - i. sogleich werden die harten Stengel im Brecheloch gebrochen - j. letzte Holzteile werden durch Schwingen entfernt - k. das Werg heißt jetzt Leinen und wird durch die Hechel gezogen - l. lose um die Kunkel geflochten - m. dann wird am Spinnrad die Wolle gesponnen - n. am Webstuhl entsteht durch Weben das Leinentuch.
Vorläufig verlassen wir mit diesem Raum auch das Thema Handwerk, wir werden es später nochmals bei den Schwarzwalduhren behandeln. Jetzt gehen wir den Gang zurück, bis zum Eingangsbereich und gehen ein Stock höher.