Heimatmuseum "Altes "Rathaus"
Museums-Rundgang > Gewerbe und Handwerk
Der
folgende Raum zeigt das breite Themenspektrum des aktuellen, traditionellen und
abgegangenen Lossburger Gewerbes. Mittelpunkt ist das Modell eines
Fachwerkhauses. Die Gewerbeschule Nagold hat es mit dem 1. Schuljahr der
Zimmerer-Klasse, für unser Museum gefertigt. Kleinere
Modelle der Fa. Zinser weisen auf stabile Holzverbindungen hin. Fachwerke- und
Dachgebälk-Konstruktionen haben viel Gewicht zu tragen, sind sie doch Wind und
Sturm ausgesetzt.
Das Zimmerer-Handwerk wurde geboren, als Menschen begannen, Holz mit Werkzeugen zu bearbeiten. Bis ins frühe Mittelalter waren die Zimmerleute sowohl für den Hausbau, als auch für die Herstellung einfacher Möbel zuständig. Die wichtigsten Werkzeuge der Zimmerleute: Axt, Säge und Bohrer in verschiedenen Ausführungen, einst auf dem Zimmerplatz im Einsatz, haben bis jetzt wenig Änderungen erfahren.
Ganz
anders ist das Handwerksgerät des Metzgers. Metzgerhaken, Borstenschaber,
Wurstmaschine, Schlachtmesser und Hackklotz ertragen kein zimperliches Gemüt.
Metzger, Fleischer oder Schlachter mussten für ihr Handwerk schon eine beherzte
Natur haben. Heute zählen die Metzger zu den Versorgungshandwerkern.
Sie konnten sich schon früh in der Gemeinde etablieren, nicht an einem festen Ort, sondern er war als Hausmetzger unterwegs. Anders wie heute, gab es bis Anfang des 20. Jhs. bei uns keinen Metzgerladen, um einzukaufen, sondern die Erzeugnisse bot man allgemein auf Märkten an. Vornehmlich in der kalten Jahreszeit. Zum Schlachten kam der Hausmetzger auf den Hof. Unter Mithilfe der ganzen Familie wurde das Schwein von Borsten befreit, geteilt, Fleisch gekocht, Därme gereinigt, Blut-, Leber- und Bratwürste hergestellt, Speckseiten zum Räuchern eingesalzen und Schmalz ausgelassen.
In
der Welt der Gespannfahrer hat sich die Fahrsport-Sattlerei Mönch, 24-Höfe, in den letzten
Jahren einen Namen für hochwertige Geschirre geschaffen. Spitzenqualität von Geschirren
für Einspänner über Mehrspänner bis hin zur klassischen Gala-Anspannung wird
in der Sattlerei gefertigt. Der Betrieb ging den umgekehrten Weg eines alten
Handwerks zum modernen Betrieb. Eine Marktlücke erkennend begann Albrecht
Mönch vor 20 Jahren hochwertige Geschirre herzustellen. Die Qualität der
Mönch-Geschirre schätzen zahlreiche Gespannführer, einige Turnierfahrer
wurden damit Weltmeister. Albrecht Mönch ist stolz darauf alle Wünsche der
Pferdefreunde zu erfüllen. Nicht umsonst zählen die Spanische Hofreitschule in
Wien und die königlichen Stallungen des Sultan von Oman zu seinen zufriedenen
Kunden.
Nicht
von zufriedenen Kunden, sondern vom Gegenteil berichtet einen kleine Ausstellung:
Mausefallen. Jahrhundertelang versuchte die
Bevölkerung die Frucht ihrer täglichen Arbeit, somit die Grundlage ihres
Lebensunterhalts vor Nagern zu schützen. Neben dem Verlust an Nahrungsmitteln
drohten insbesondere Krankheiten, die Mäuse und Ratten übertrugen. Den
gefräßigen kleinen Nagern rückte man mit Erfindungsgeist zu Leibe. Sind Korb-
und Kastenfallen einfacher Art, zeigen Bügel- und Schlagfallen bereits
Ideenreichtum, gekrönt von einer automatischen Wasserfalle. Wie Schwarzwälder
Uhren und Schindeln stellten Familien die Drahtfallen in Heimarbeit her und
vertrieben sie im Hausierhandel.
Von der guten alten Zeit erzählen „Foltergeräte" der Friseure und Hausfrauen. Angesichts der Lockenscheren, die glühend heiß die Haare gefügig machten, findet der Spruch Gültigkeit: „Wer schön sein will, muss leiden"! Namen wie Onduliereisen, Wasserwellenwickel und Kreppeisen lassen Schlimmes erahnen, wie Mütter und Großmütter für ihre Männer gelitten haben.
Zum
Vergleich zu den Brennscheren ist der Beruf des Schneiders nicht ganz so
gefährlich. Auf der „Profi-Nähmaschine" vom Rodter Maß-Schneider Karl
Wendel liegt das Meisterstück einer Lossburger Schneiderin. Näh-,
Stick- und Häkelproben gehörten bis in die 60er Jahre zum Lehrstoff der
Mädchen in den Grundschulen.
Im Mittelalter zählten grobes Bauernleinen, wollenes Tuch, Nadel und Faden, Fingerhut und Bügeleisen, Elle und Schere zum Handwerkzeug des Gewandschneiders. Ursprünglich Frauendomäne und Haushandwerk, entstand das Handwerk des Schneiders, als die Kleidung der Menschen anspruchsvoller wurde und ein Zuschneiden der Stoffe erforderte. Frauen arbeiteten in der Damenschneiderei, des weiteren als Kleider- und Weißzeugnäherinnen. Weißnähen umfasst die Herstellung von Bett- und Tischwäsche, meist aus weißem Leinen.
Der Schneider benötigte nur wenig Handwerkszeug. Werkzeug- und Nähkasten waren recht klein und bedurften keinerlei großen Kapitaleinsatz. Dies begünstigte einerseits die hohe Zahl der Schneider, andererseits die zahlenmäßig kaum geringeren Flickschneider. Sie lebten oft am Existenzminimum und das Märchen vom armen, tapferen Schneiderlein ist dem damaligen Leben entnommen. Mitte des 19. Jahrhunderts sorgte die Erfindung der mechanischen Nähmaschine für weitere Einbußen, zumal diese Maschinen in den Privathaushalten dafür sorgten, das die Frauen nun selber notwendige Näharbeiten ausführen konnten.
Ein
fast ausgestorbenes Handwerk, ist der Glasmacher. Vor 800 Jahren entstanden in
waldreichen Regionen, so auch im Schwarzwald Glashütten. Für
die Glasproduktion benötigten die Glasmacher sehr viel Holz zum Befeuern der
Glasöfen und für die Produktion der Pottasche. Der Schwarzwald, vorwiegend mit
Hainbuchen bewachsen, war idealer Rohstofflieferant - Quarzsand entnahm man den
Bächen. Die Glasmacher lebten inmitten ihrer Rohstofflager. War der Wald in der
Umgebung abgeholzt, bauten sie die Glashütte ab und in einem anderen Waldgebiet
wieder auf. Größte Ansiedlung bei uns war der Schöllkopf.
Der Holzverbrauch der Glashütten war immens! Die Öfen brannten Tag und Nacht: Sie verbrauchten nur 3 % des geschlagenen Holzes. Die anderen 97 % wurden zur Pottascheproduktion verwendet. Nach der Schmelze erfolgte die Formung des Glases. Es kann gegossen, gepresst, gewalzt, gewickelt, gezogen und geblasen werden.
Geblasen wird mit der Glasbläserpfeife, einem ein- bis eineinhalb Meter langen Eisenrohr mit Holzgriff und Mundstück. Das Ende des Rohres wird in die flüssige Schmelze getaucht, der daran haftende „Glasposten" dann wie eine Seifenblase zu einem „Kölbl" aufgeblasen. Durch Rollen, Schwenken, mehrmaliges Erwärmen, erneutes Blasen oder Einblasen in ein Model erhält das Gefäß seine Gestalt. Mit Werkzeugen wie Glasscheren und -zangen kann man noch Korrekturen anbringen, solange der plastische Zustand des Materials anhält.