Heimatmuseum   "Altes "Rathaus"

 Museums-Rundgang  >  Lossburger Geschichte

Bevor wir links zu den "Alamannen" kommen, erinnern zwei Grenztafeln an die Landesgeschichte von Baden-Württemberg. Beide Tafeln standen einst im Grenzbereich auf dem Kniebis. 

Gleich das erste Zimmer zählt zu einen Meilenstein des Museums. Es berichtet aus der Zeit der Merowinger. Die Ausstellung führt den Besucher 1.350 Jahre zurück und zeigt einen Teil der Exponate, die bei den Ausgrabungen des Gräberfeldes in Wittendorf im Frühjahr 1991 entdeckt wurden. Beim Ausbaggern des Fundaments für ein Autohaus, fallen dem Baggerführer zahlreiche Knochen auf, die sich in Erdreich und Aushub befinden. Dies hat ein Baustopp zur Folge und macht eine archäologische Ausgrabung vom Landesdenkmalamt Karlsruhe notwendig. Dabei entdecken die Archäologen ein Gräberfeld und legen in den nächsten Wochen 96 Gräber frei. Sie finden Reste von mindestens 111 Individuen, darunter 39 Männer, 32 Frauen und 18 Jugendliche. Neugeborene und Säuglinge fehlen gänzlich. In etwa der Hälfte der Gräber finden sich wertvolle Grabbeigaben, die bei der Zuordnung von Wichtigkeit sind. Die Archäologen legen die Zeit um 650 Jahre nach Christus fest. Bei uns leben damals Alamannen, Angehörige germanischer Volksstämme.

Der Friedhof umfasst vermutlich 300 bis 400 Bestattungen aus der Zeit zwischen 630 und 670. Demnach hatte der Ort eine ansehnliche Größe. Das Gräberfeld ist das am weitesten westlich gelegene vor dem Schwarzwald.  

Das Skelett einer ausgestellten 20- bis 25-jährigen Frau weist deutliche Merkmale der Altersbestimmung auf. 

Alle Beigaben eines Kriegers aus dem nebenstehenden Grab 55 sind in Vitrinen zu sehen.  Weitere Original-Grabbeigaben wie Waffen, Schmuck und sonstige Gebrauchsgegenstände sind mit ausführlicher Beschreibung ausgestellt.

 

Im folgenden Raum ist mehr über die jüngere Lossburger Geschichte zu erfahren. Tritt man über die Schwelle fällt gleich die gegenüberliegende Schrankwand mit den unterschiedlichsten Themen auf. Neben Gegenständen der letzten beiden Weltkriege sind Waffen der Bauern aus der Zeit des Bauernkrieges zu sehen.

Dem Bauernkrieg 1525 geht ein Aufruhr voraus, als sich 1514 im Remstal die Bauernschaft des „Armen Konrad" unter der Bundschuhfahne erheben. Aufstände im südlichen Schwarzwald beeinflussen 10 Jahre später auch die Bauern in der Herrschaft Lossburg. Nach der ersten Zusammenkunft am 10. April 1525, versammeln sich tags darauf 150 Bauern auf dem Vogelsberg (24-Höfe). Einige 100 aus der ganzen Umgebung kommen hinzu und sie sind nicht nur mit Sensen und Dreschflegel, sondern auch mit Waffen ausgerüstet. 

Ihr Anführer ist Thomas Maier vom Vogelsberg, andere Historiker meinen er ist von Lossburg. Der „helle Haufen" zieht in naheliegende Orte und nimmt sie ein. Der Haufen wächst anfangs Mai auf 2.000 Mann an. Zusammen mit den Unterländer und Balinger Bauern sowie dem Schwarzwälder Haufen stehen sie am 10. Mai vor Herrenberg. Am 12. Mai kommt es bei Böblingen zur Entscheidungsschlacht, dabei treffen 15.000 Bauern auf 7.500 Mann des Schwäbischen Bundes. Mit Artillerie und Reiterei werden die Bauern in die Flucht geschlagen und weitgehend vernichtet. Thomas Maier wird gefangen genommen und in Tübingen enthauptet. Die Bauern aus Lossburg zieht man zur Rechenschaft - nach einer Gefängnisstrafe leisten sie Urfehde, das heißt, sie haben den angerichteten Schaden zu ersetzen.

Daneben, auf der Nessel-Gardine, ist das einzige bekannte Bild von der „Lossburg" zu sehen, die Burgenforscher Koch rekonstruierte. 

Die Karte zeigt, wie sich Schlossberg und Schlossring dem württ. Major Steiner, der das Gelände 1895 vermessen hat, dargestellt haben. Heute sind die Reste der Anlage nicht mehr zu erkennen, denn Bebauung und Flurbereinigung haben das Gesicht des Schlossberges und Schlossringes sowie ihrer Umgebung verändert. Der Zeitraum des Burgenbaus wurde durch eine dendrologische Untersuchung der Eichenscheibe der „Loseburch" zwischen 1252 und 1273 festgelegt. Auch der Buckelquader aus roten Sandstein ist ein Relikt der Burg. Er ist auf Grund seiner verjüngenden Form dem Turm zugeordnet, der als Rundturm die Anlage überragte. 

Nach dem Dorfbrand von Lossburg im Jahre 1590, wurden die Steine der bereits abgegangenen Burg für den Wiederaufbau der Häuser verwendet.

Ein weiter Zweig der Heimatgeschichte sind die Kleindenkmale. Seit 2001 planen in einer Gemeinschaftsaktion der Schwarzwaldverein, das Landesdenkmalamt, der Schwäbische Albverein und der Schwäbische Heimatbund eine flächendeckende Erfassung der Kleindenkmale in Baden-Württemberg. Ziel des gemeinsamen Projektes ist die Dokumentation und Sicherung dieser in hohem Maße gefährdeten Zeugen unserer Geschichte.

Kleindenkmale umfassen: ortsfeste, freistehende, von Menschenhand geschaffene Gebilde aus Holz, Metall oder Stein. Dazu zählen neben Grenz-, Sühne- und Gedenksteinen auch Hauszeichen sowie Türsturze. Weiter gehören Naturdenkmale wie Hohlwege, Brücken und Biotope dazu. Als erstes haben sich Hans Saile und Ruth Tügend vom hiesigen Schwarzwaldverein die Markungssteine der Gesamtgemeinde vorgenommen. Die Grenze der Gesamtgemeinde beträgt 68 km, hinzu kommen Markungsgrenzen zwischen den Teilorten.

Einige der geschichtsträchtigsten Original-Steine sind ausgestellt - Dubletten der Markungssteine stehen als Ersatz auf deren Original-Plätzen. Herausragend ist der Dreimarkstein, mit den Wappen der Herren von Brandeck, der Württemberger und der Herren von Bubenhofen, Leinstetten. Die beiden Einzelsteine standen auf der Grenze zwischen Lossburg und Rodt im Lossburger Zauberland, die infolge Baumaßnahmen entfielen.

Die meisten Themen in diesem Raum betreffen heute noch jeden Bürger, vor allem den Vorfahren, wenn wir an die Weltkriege denken. So kann man auch die Vereinheitlichung der Ortstafeln zu den logistischen Vorbereitungen des 70er Krieges zählen. Ab 1870 wurden in Württemberg, nach preußischem Muster, in allen Gemeinden Ortstafeln bzw. Truppenteilschilder eingeführt und aufgestellt. Sie standen bis 1918 vor dem Rathaus oder waren direkt an ihm befestigt, so heute noch in Lossburg, Sterneck, Wittendorf und 24-Höfe. Sie sind, soweit nicht am Rathaus angebracht, an Pfosten mit quadratischem Querschnitt befestigt und in den Farben des Königreiches Württemberg schwarz - rot gewendelt gestrichen.

In der ersten Zeile der Tafel steht das Oberamt, zu dem der Ort gehört. In der zweiten erscheint der Ortsname: Stadt, Pfarrdorf, Gemeinde oder ein Weiler. Die nächsten Zeilen sind dem Militär vorbehalten. Die Wehrpflichtigen sollen jederzeit wissen, zu welchem Truppenteil - Regiment, Bataillon, Kompagnie - sie gehören und wo sie sich im Mobilmachungsfalle zu melden haben.

Die wenigen ausgestellten Gegenstände der Weltkriege vermitteln bereits was ein Krieg vermag. Löste der "Vaterländische Krieg" 1870-1871 noch Begeisterung auf breiter Basis aus, sind die Weltkriege nur noch Schrecken, Horror, Leiden und Wahnsinn. Sie sind Mahnung für uns und nachfolgenden Generationen - lebt und liebt den Frieden.

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