Heimatmuseum "Altes "Rathaus"
Museums-Rundgang > Lossburger Gasthäuser
Der
anschließende Raum mit der Museumsgaststätte lädt zum Verweilen ein. Zwischen
„Kirche und Kneipe" spielt sich laut einem Schlager das öffentliche
Leben der Menschen ab. Betrachten wir die 67 Gaststätten der Gesamtgemeinde
lässt sich diese These bestätigen. Einst und heute, werden große
Familien-Feste, begonnen bei Taufe, über Konfirmation, Geburtstage, Hochzeit
bis zur Beerdigung, öffentlich in den Gasthäusern gefeiert. Eigentlich bei
allen Anlässen, wo es etwas zu feiern gibt, sind Gaststätten „Austragungsorte"
mit Treffen, Tanz und Unterhaltung.
Möchte man neueste Informationen vom Flecken erfahren, lohnt der Besuch am Stammtisch, auch die allgemeine Meinungsfindung erfolgt manchmal im Wirtshaus. Die Politik der Gemeinde wird von den Verantwortlichen oftmals in froher Runde „sondiert". Wichtige Vereinbarungen und Verträge finden ihr positives Ende oft bei einem guten Essen oder gutem Viertele.
Traditionsgemäß
war seit alters her der reichste Bauer oder Gastwirt auch Vogt oder Schultes.
Das Amt des Schultheißen genoss Privilegien, man war z.B. von der Steuerlast
befreit. War der reichste Bauer noch Gastwirt, lag es auf der Hand, dass er die
Geschicke des Ortes zu seinem Vorteil beeinflussen konnte. In heutiger Zeit
werden modernes Management von Bürgermeister und Wirtsleuten verlangt, doch
Vertrauenspersonen sind sie geblieben.
So tief in die Materie wollen wir an unserem Rundgang eigentlich nicht gehen, sondern uns an der Einrichtung erfreuen und sich in die Jugendzeit versetzen, wo uns die Ausstellungsstücke manche Episoden wieder bewusst werden lassen, so auch das „Ochsenschild" am hinteren Museumseingang. Vom alten „Bären" stammt das Büffet. Über 100 Jahre ist es alt - dieses Alter merkte man, als wir es instand setzten, zumal sich einige Holzwurm-Familien dieses gutschmeckende Möbel als Domizil ausgesucht hatten. Über der Tür hängen Reste des ehemaligen „Hirsch-Schildes". Selbst Reste können durch ihre Symbolkraft noch einiges erzählen. Neben dem springenden Hirsch, der auf die Gaststätte hinweist, ist darüber das Zunftzeichen des Hausmetzgers angebracht, mit Ochsen und Metzger. Dies ist Nachweis, dass der Hirschwirt vor 150 Jahren auch Hausmetzger war.
Ursprünge
der Schilder reichen bis in die Römerzeit. Sie haben sich über verschiedenste
Ausführungen bis in die heutige Zeit gehalten. Jeder, der als Pilger oder
Händler unterwegs und fremd im Ort war, sollte sich als des Lesens Unkundiger
zurechtfinden. Auch Handwerker machten mit ihren Zunftzeichen auf sich
aufmerksam, ebenfalls Apotheken, die heute noch mit ihrem Zeichen werben. Die
Namen der Gasthäuser entwickelten sich im Mittelalter aus Bildersprache und
Zeichen. In der Regel richteten sie sich nach der Bibel aus. Zum Beispiel stehen
„Adler", „Löwen" und „Ochsen" im Zusammenhang zu den
Symbolen der Evangelisten. „Sonne", „Bären", „Hirsch", „Lamm",
„Traube", „Stern", „Rose", „Käppele" und „Krone"
erinnern an biblische Hintergründe.
Jede der 67 Gastwirtschaften ist mit einem Bild in der Übersichtsmappe zu sehen. Beim Betrachten ist bald erkennbar, dass die meisten nicht mehr existieren. Die große Zahl der Herbergen ist geschichtlich bezogen, als der Lossburger Markt noch wichtiger Treffpunkt der Bauern und Händler war. Mit Bau der Staatsstraße Freudenstadt - Alpirsbach 1859 sowie 30 Jahre später der Kinzigtal-Eisenbahn, schließen einige Gasthäuser in 24-Höfe und Lossburg, da Transporte mit Ochsen- und Pferdegespannen ausfallen und somit auch Ausspannen und Unterstellen der Tiere in den Rasthäusern. Die Flößerei fällt ebenfalls dem neuen Transportwesen zum Opfer. Stattdessen kommen mit Auto und Eisenbahn Erholungssuchende in den Schwarzwald. Davon profitieren Lossburg und Rodt, als mit „Kraft durch Freude" im Dritten Reich eine wahre Bauflut von Pensionen und Gasthauserweiterungen beginnt, die sich bis in die 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts fortsetzt.
Äußere Einflüsse wie Sozial-Reformen, Promillegrenze, billiges Flugbenzin, Wiedervereinigung, Arbeitslosigkeit, Änderung der Urlaubsdauer auf jetzt kürzere Perioden und zum Schluss der Währungswechsel, zwingen so manchen Betrieb zu verkaufen oder zu schließen. Insgesamt sind es heute noch 30 Häuser, die der Tradition verpflichtet sind, Arbeitsbereitschaft rund um die Uhr anbieten, verbunden mit dem Wollen ihren Gästen gute Gastgeber zu sein.
Inbegriff
der Wirtshausgäste der früheren Jahre waren die, welche am Stammtisch hockten
und über Gott und die Welt redeten. Unser Stammtisch mit Eckbank stand früher
im „Cafe Schröder", die Stammtischlampe beleuchtete Gäste der „Rose"
in Freudenstadt. Die Zapfanlage funktioniert noch - sie brauchen es nicht
ausprobieren und wenn sie noch so einen großen Durst verspüren - das Fass
unter der Theke ist leer. Zum anderen verweist das Schild am Eingang darauf,
dass heute leider Ruhetag ist.