Heimatmuseum   "Altes "Rathaus"

 Museums-Rundgang  >  Ehrenzimmer 

Nach den letzten Stufen wird rechts der Rundgang fortgesetzt, nicht mit der Schulklasse, sondern ganz rechts im ehemaligen Bürgermeisterzimmer. Bis 1954 waren die heute dreigeteilten Räume ein Klassenraum, in dem Fünf- bis Siebenklässler Unterricht hatten. Dann herrschten hier die Bürgermeister Gerhard Eßlinger, anschließend von 1958 bis 1999 Walter Schmid und ab 2000, bis zum Umzug ins neue Rathaus, der heutige Bürgermeister Thilo Schreiber.

Heute zeigt sich das Bürgermeisterzimmer, wie seit dem Umbau. Eingerichtet als Ehrenraum, mit Rodter und Lossburger Ehrenbürgern sowie den Partnerschaftsurkunden mit Frankreich und Ungarn, soll sich der Besucher den Persönlichkeiten erinnern, die Außerordentliches für die Gemeinde leisteten, bzw. an geschichtliche Wendepunkte mit der Wiedervereinigung und der Verbrüderung mit Frankreich nach dem großen Weltkrieg.

Erster Ehrenbürger wird der Stuttgarter Kommerzienrat Eduard Breuninger, geboren am 14. Juli 1854 in Backnang. 1910 hatte er den Plan für seine Angestellten des Kaufhauses Breuninger ein Ferienheim zu bauen, in dem sie jährlich eine Ferienzeit von zwei bis drei Wochen verbringen können. Nach dem er mehrere Standorte im ganzen Ländle besichtigte, entschied er sich für Rodt. Insgesamt umfasst das Gelände 40 Morgen, davon fast ein drittel Wald. Er wurde im Laufe der Jahre nicht nur ein großer Förderer der Gemeinde Rodt, auch die Vereine von Rodt und Lossburg erhielten regelmäßig namhafte Spenden. Zur Feier seiner Goldenen Hochzeit mit seiner Frau Lydia, am 3. Oktober 1928 in Hohenrodt, überreichte die Vertretung der Gemeinde Lossburg den Ehrenbürgerbrief für sein besonderes Engagement in beiden Gemeinden.

Aus Feuerbach kommend, siedelte Ingenieur Paul Schröder vor dem 1. Weltkrieg mit seiner Frau Elfriede, in Rodt, in der Pflegersäcker. Als Fabrikant war er Besitzer der Fa. Apparatebau in Feuerbach. Im Laufe der Jahre kaufte er in Rodt Gelände in Nähe seines Haus und weiter weg liegend auf. Er beabsichtigte in Rodt ein Gutshaus nach Vorbildern der Gutshöfe in Ostpreußen zu errichten. Wie Eduard Breuninger engagierte sich Paul Schröder stark für beide Gemeinden. Für seine Verdienste um Lossburg, zeichnete Bürgermeister Eßlinger ihn, anlässlich seiner Goldenen Hochzeit, am 7. Oktober 1954, mit dem Ehrenbürgerbrief aus.

Am 31. Oktober 1997 erhalten die Gebrüder Eugen (rechts) und Karl Hehl (links) aus der Hand von Bürgermeister Walter Schmid, im Kinzighaus, die Ehrenbürgerwürde, nachdem beide Herren vor Jahren die Bürgermedaille in Gold erhalten hatten. In seiner Laudatio hebt der Bürgermeister die besonderen Leistungen der Herren Eugen und Karl Hehl hervor. „Sie haben nach dem Zweiten Weltkrieg in unermüdlichem Einsatz die Firma ARBURG in Lossburg, zusammen mit ihrem Vater, Herrn Arthur Hehl, zu einem bedeutenden, weltweit exportierenden, mittelständischen Unternehmen aus kleinen Anfangen heraus entwickelt.

Die Firma ARBURG mit ihren zahlreichen Arbeitsplätzen und ihrer Wirtschaftskraft hat die Struktur der Gemeinde Lossburg des Landkreises Freudenstadt und angrenzende Bereiche maßgeblich verbessert. Die ursprünglich arme Gemeinde Lossburg ist zu einem blühenden Gemeinwesen mit vielen öffentlichen Einrichtungen gewachsen. Bei allen persönlichen Erfolgen als Unternehmer sind die Herren Hehl bescheiden geblieben. Sie haben sich den Anliegen ihrer Mitbürger nicht verschlossen. Die Gründung der „Gebrüder-Hehl-Stiftung" und die tatkräftige Unterstützung der Kirchen und ortsansässigen Vereine haben zum Wohle der Lossburger Bürgerschaft beigetragen."

Letzter im Reigen der Ehrenbürger ist Bürgermeister Walter Schmid, der im Alter von 27 Jahren, 1958, Bürgermeister von Lossburg wurde.

„Bei seinem Amtsantritt war Lossburg mit seinen 1.891 Einwohnern ein armes kleines Bauerndorf, dessen Infrastruktur einen minimalen Leistungsstand aufwies. In den 40 Jahren seiner Tätigkeit hat sich Lossburg zu einem bedeutenden Industriestandort mit dreitausend Arbeitsplätzen und vielen mittelständischen Handels- und Handwerksbetrieben entwickelt. Gleichzeitig hat sich die Gemeinde zu einem Luftkurort mit beträchtlichen Übernachtungszahlen gewandelt.

Herrn Walter Schmid ist es in hohem Maße zu verdanken, dass Lossburg zusammen mit seinen Ortsteilen einen sehr hohen Standard an kommunalen Einrichtungen besitzt. Mit dieser Ernennung zum Ehrenbürger möchte die Gemeinde ihrem Bürgermeister Dank, Anerkennung und Hochachtung ausdrücken für seine außergewöhnlichen Verdienste, die er sich um die Gemeinde Lossburg erworben hat."

Mit diesen Worten übergibt der Stellv. Bürgermeister Manfred Hauser (rechts), anlässlich der Verabschiedung von Walter Schmid, am 17. Dezember 1999 in der Turn- und Festhalle, die Urkunde mit dem Ehrenbürgerrecht.

Der Gedanke einer Partnerschaft zu den Nachbarländern entstand für Bürgermeister Schmid aus der Schulpartnerschaft. Sie war 1973 Keimzelle der kommunalen Partnerschaft zwischen Anse in Frankreich und Lossburg. An Pfingsten 1979 begannen die Bürger von Anse und Lossburg mit der Unterzeichnung einer Partnerschaftsurkunde den Weg zu Verständigung, Freundschaft und Europäischer Vereinigung zu gehen.

Die Partnerstadt Anse liegt im Tal der Saone zu Füßen der Berge des Beaujolais. Die historische Altstadt zeigt Relikte der gallisch-romanischen Frühzeit.

Mit den gastfreundlichen Bürgern von Anse entwickelten sich seither viele freundschaftliche Beziehungen. Bei Dorffesten, Jubiläen, Wochen der Partnerschaft, Schüleraustausch, sportlichen Begegnungen, der jährlichen Präsentation des "Beaujolais nouveau", Weihnachtsmarkt und Familientreffen wurden Freundschaften geschlossen. Bleibend sind eine „Rue de Lossburg" in Anse, der „Place d’Anse" in Lossburg sowie die Partnerschaftstafeln an den Ortseinfahrten. 

Bereits 1986 begann das Bemühen, eine ungarische Gemeinde für die Freundschaft mit Lossburg zu gewinnen. Mit der Grenzöffnung zwischen Ungarn und Österreich 1989, wurde der Weg in Freiheit und Demokratie nicht nur für unsere Landsleute im Osten frei. In Dankbarkeit reichten die Lossburger zu Pfingsten 1992 den Bürgern in Harta / Ungarn die Hand zur Freundschaft. In Harta haben die Nachkommen deutscher Siedler Kultur und Sprache der Vorfahren durch alle Wirren der Vergangenheit gehütet und bewahrt.

Hartau (deutsch) liegt etwa 80 km südlich von Budapest an der Donau. Die Distanz von 1.100 km zu Lossburg erschwert die Beziehungen - die wachsenden deutschen Sprachkenntnisse (Deutsch schon im Kindergarten!) und eine überwältigende Gastfreundschaft sind beglückender Ausgleich.

Nach der deutschen Wiedervereinigung halfen Gemeinden des Landkreises Freudenstadt im neuen Bundesland Sachsen. Eine Delegation aus Anse war dabei und wurde informiert als Lossburg mit Harta eine Partnerschaft begründete und in Hammerbrücke über die Hürden des Neubeginns half. Die Anser Partner schlossen in Anse einen Freundschaftspakt mit dem neuen Lossburger Partner Harta und den Vogtländer Freunden ab. Aus dem Duo Anse-Lossburg wurde so ein Quartett.

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