Heimatmuseum "Altes "Rathaus"
Museums-Rundgang > Industrialisierung
Wir wechseln Raum und Thema und folgen dem Pfeil ins gegenüberliegende Zimmer. Das Zeitalter der Industrialisierung entwickelte sich seit 1923 in Lossburg zaghaft. Exemplarisch ist in unserer Gemeinde die ARBURG zu nennen. 1923 gründet Arthur Hehl nach einer chirurgiemechanischen Ausbildung ein eigenes Unternehmen. Im Keller seines Lossburger Wohnhauses fertigt er zunächst chirurgische Instrumente wie Skalpelle und Wundklammern. In den Jahren 1938/39 wird die Produktion auf Stanzartikel wie z.B. Schoppenringe umgestellt.
1943
entwickelt Karl Hehl auf behördliche Anordnung einen Tarnnamen für den
väterlichen Betrieb. Aus ARthur Hehl und
LossBURG entsteht der heutige Firmenname
ARBURG.
Der Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft bringt auch für ARBURG Umstellungen mit sich. Mehrere Jahre fertigt sie Möbelbeschläge, Tortenuntersetzer, Kartoffelkörbchen und Bügeleisenuntersetzer, um den Nachholbedarf der ersten Nachkriegsjahre zu decken.
Nach der Währungsreform 1948 nimmt der Wettbewerb in diesem Sektor stark zu. Die Lösung dieses Wettbewerbproblems findet die Unternehmerfamilie dann Anfang der 50er Jahre. Die Bedürfnisse der Menschen verändern sich während der Wirtschaftswunderjahre. Zum Beispiel wird Fotografieren ein beliebtes Freizeitvergnügen für jedermann. Die Unternehmerfamilie Hehl erkennt diese Tendenz und beginnt Blitzlichtgeräte zu produzieren. ARBURG stellt die Blitzlichtgeräte in zahlreichen Varianten her. Der wirtschaftliche Erfolg dieser Produktion ist ungeheuer, bald werden die handlichen Geräte auch nach Übersee exportiert. Doch die extremen Witterungseinflüsse bei der Verschiffung lassen in den Metallsteckern der Synchron-Verschlüsse Kriechströme auftreten. Die Batterien entladen sich, ganze Lieferungen kommen als Reklamation nach Lossburg zurück. Nach einer Fehleranalyse wird deutlich, dass die Steckverbindungen kunststoffisoliert sein müssten, um die ungewollte Entladung zu verhindern.
Diese
Zwangslage reizt den schwäbischen Erfindergeist von Karl Hehl: Kurzerhand
entwickelt er 1954 die benötigte kleine Spritzgießmaschine selbst und baut sie
aus den Stahltrümmern einer gesprengten Eisenbahnbrücke. Die
Steckverbindungen können nun mit Kunststoff umhüllt werden, das
ARBURG-Blitzlicht wird tropentauglich. Die erste ARBURG-Spritzgießmaschine
funktioniert bis auf einige nebensächliche Kleinigkeiten auf Anhieb.
Die innovative Technologie spricht sich auf dem Markt sehr schnell herum. Zahlreiche Aufträge und Nachfragen aus der ganzen Welt ermöglichen ab 1956 die Serienproduktion. ARBURG war auf eine Marktlücke gestoßen. Neben ihrer Größe besitzen die handbetriebenen ARBURG-Maschinen nämlich noch einen unschätzbaren Vorteil, der sich im weiteren Verlauf der wirtschaftlichen Entwicklung als unbezahlbar erweisen soll. Der Kunststoff kann zum weltweit ersten Mal vertikal in die Trennebene eingespritzt werden.
Noch
hatte Kunststoff zwar den Ruf, ein eher unscheinbares Ersatzprodukt zu sein, was
aber nicht mehr lange so bleiben sollte. Man befand sich bei ARBURG auf dem
richtigen Weg und trieb die technologische Entwicklung voran. ARBURG konzipierte
als erster Hersteller Spritzgießmaschinen im Baukasten-System. Die sowohl
horizontal als auch vertikal einsetzbare Kleinspritzgießmaschine war eine
absolute Weltneuheit. Keine andere Maschine konnte bis zu diesem Zeitpunkt
technische Kleinteile in solcher Serienperfektion und Wirtschaftlichkeit
produzieren. So verhalf ein Bündel von Vorteilen ARBURG dazu, das
Kleinteile-Spritzgebiet zu erobern und zahlreiche Möglichkeiten neu zu
erschließen. Als deutlich wurde, dass man gewagt und gewonnen hatte, dass sich
also auch die Richtung des Weges als die
richtige erwies, arbeitete man mit Erfinderglück und kaufmännischem Engagement
weiter. So wird die Unternehmensgeschichte
ARBURG zum großen Teil die Technologiegeschichte des Kunststoffspritzgießens
selbst.
Heute,
50 Jahre später, kann sich ARBURG sehen lassen. Entwicklung, Verwaltung und
Produktion sind zentral in Lossburg auf einer umbauten Nutzfläche von ca.
130.000 Quadratmetern untergebracht. Sämtliche Unternehmensbereiche sind in ein
zentrales Informations- und Kommunikationssystem eingebunden. Es ermöglicht
einen schnellen und effizienten Datentransfer zwischen über 1.000
Computer-Arbeitsplätzen der 2.000 Mitarbeiter in Lossburg und den weltweiten
Stützpunkten.
Die Entwicklung der ARBURG, ist auch in der über 80-jährigen Geschichte des Familienunternehmens nachzuvollziehen. Der Aufstieg der Firma verläuft parallel zur Entwicklung von Lossburg. ARBURG war und ist der „Antrieb" für die Gemeinde. Die gute Infrastruktur, verbunden mit dem Angebot von Arbeitsplätzen, Standbein der Touristik und dem Arbeitswillen seiner Bürger, sorgen für eine zufriedene Bürgerschaft.
Der
folgende Raum berichtet von einer weiteren Erfolgsgeschichte.
Eine ganz andere Richtung hat die Firma ROVO eingeschlagen. Erst 40 Jahre ist die Erfolgsgeschichte des mittelständischen Unternehmens alt. Aus kleinsten Anfängen beginnt Rolf Völkle 1964 in der Garage seines Wohnhauses im Bahnhofweg in Lossburg, mit der Fertigung von Stahlgestellen, Drahtwaren und Ziermöbel in kleinen Serien.
Vier Jahre später wird mit dem Einzug in die neue Fabrikhalle im Härlen, eine Produktion von Zulieferteilen für die Möbelindustrie gestartet, aus der das heutige Erzeugnis hervorgeht, der Bürostuhl.
1972 wird das erste Patent genutzt, um eigene Bürostühle zu entwickeln, in Serie zu fertigen und unter dem Markenzeichen „VÖLKLE - Bürostühle" zu vertreiben. Bis 1980 werden zu den Stühlen parallel Zulieferteile hergestellt, nun wird die Produktion vollständig auf Bürostühle umgestellt.
1984
entwickelt Rolf Völkle zusammen mit Designern und dem Wohnmediziner Prof. Dr.
Dr. Karlheinz Nier ergonomisch eigenständige Sitzkonzepte, die sich Dank der
guten Sitzleistung positiv auf die Körperfunktionen auswirken.
Die Vermarktung des ersten patentierten mitwachsenden Kinder- und Jugendstuhles „BUGGY" ist mit weiteren sieben Produktfamilien erfolgsversprechend.
Die gute Marktsituation fördert die Vergrößerung der Produktionsstätte, deshalb zieht der ganze Betrieb 1990 ins neue Werk „Hohenholz" in Wittendorf um. Dieses moderne Gebäude wurde im Rahmen eines Architektur-Wettbewerbes entworfen und verwirklicht. Über 200 Mitarbeiter finden hier ihren Arbeitsplatz.
Der
Verkauf des Drehstuhls ROVOVISION, mit patentierter Gleitsitz-Technik, wird
neuer „Schlager" des Unternehmens.
1998 kann die Firmenleitung vermelden: Der Export der Sitzmöbel erfolgt weltweit in 50 Länder.